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Ruine Dießen (Hohendießen)

Stadtteils Dießen (Nähe Hochbergstrasse, Stadt Horb am Neckar, Landkreis Freudenstadt, Baden-Württemberg

Information aus Burgen des Deutschen Mittelalters [1]

Die kleine Burg entstand im 13. Jahrhundert, der erhaltene Teil des Palas ist jünger. Die Vorburg ist bewohnt.

Grundriss in: Kunstdenkmäler von hohenzollern, Bd. 1, S. 75; Zingeler/Buck

Grundriss

[1] Friedrich-Wilhelm Krahe - Burgen des Deutschen Mittelalters. Grundriss-Lexikon. Seite 148.

Historie der Burg Dießen

Hohen-Dießen, gelegentlich als Schloss bezeichnet.

An der W-Seite über dem Graben noch stattlicher Rest einer Schildmauer (vermutlich staufisch 1220-1250)

Weitere Informationen von einer Tafel bei der Ruine

Ab der Mitte des 13. Jahrhunderts war die Burg Sitz des Dießener Ortsadels. Erhalten sind das Torhaus und Teile der Wirtschaftsgebäude. Vom Hauptbau, dem Pallas, stehen noch Reste der östlichen und der westlichen Giebelmauer sowie die Grundmauer der südlichen Längsseite.

Nach der Restaurierung 1969/70 machten die Aufführungen des „Dießener Burgtheaters” die Ruine weitum bekannt.

Inzwischen hat der „Förderverein Burgruine Hohendießen“ die weitere Sicherung und Sanierung der Bausubstanz übernommen.

Besitzer und Herrscher über Burg und Dorf Dießen

Dießener Ortsadel um 1300 bis heute

Der Erste aus dem Dießener Ortsadel, der urkundlich erwähnt wurde, war um 1299 Friedrich Dictus genannt der Theyser. Die ehemalige Burg über dem Ort Dießen war als Schildmauerburg angelegt. Von ihr sind heute noch der Großteil der Schildmauer und die Grundmauern erhalten. Friedrich folgten Edelknecht Volz von Dießen 1301 und Friedrich der Dießer 1309, Ulf der Dießer 1334, danach Wolf der Dießer und dessen Bruder Ulrich 1337/38.

Ab 1441 führten die Herren von Dießen in ihrem Wappen einen „Roten Fisch auf silbernem Grund“ als Hinweis des Fischreichtums im Dießenbach. Der Letzte aus dem Geschlecht der Dießener war 1530 Marx von Dießen.

Ab Mitte des 14. Jahrhunderts kam es durch Heirat, Erbschaft und Verkauf zur Aufteilung und häufigem Besitzwechsel. Bis Ende des 15. Jahrhunderts teilten sich mehrere Besitzer die Herrschaft über Dorf und Burg. Die Adelsgeschlechter der von Neuneck (ältere Linie), der Herren von Ow, Weitingen und das Dienstmanngeschlecht der Hülwer, hatten zu Dießen gesessen und Anteile an Burg, Dorf und Grund und Boden.

Die Herren von Neuneck hatten 1342 bis 1491 Besitz an Burg und Dorf in Diessen. (+ 1498, Hans von Neuneck)

Die Herren von Weitingen waren ab 1337 zu Dießen gesessen. Durch Heirat ging der Besitz an die Herren von Ow, Wachendorf. Deren Herrschaft endete 1481 durch Verkauf an Burkhard von Ehningen

Das Geschlecht der Hülwer war von 1330 bis 1407 zu Diessen gesessen. Dietrich der Hülwer verkaufte seinen Anteil 1407 an Georg von Neuneck.

(+) 1520/25: Barbara von Neuneck geb. 1462, bringt alle Anteile ihres Vaters Hans von Neuneck an Burg und Dorf Diessen und Dettlingen mit in die Ehe mit dem fast 40 Jahre älteren Burkhard von Ehingen.

1505/06 Burkard von Ehingen geb. 1420/25, Württembergischer Vogt und Rat, Richter des schwäbischen Bundes. 1481 Kauf der Ow’schen Teile, erhält 1491 zur Hochzeit mit Barbara die Teile an Dießen der Herrschaft deren von Neuneck. Kauft Altdießen von Hans von Weitingen. 1491-98 Neubau des Schlosses, Palas, 1498 -1502 Neubau der Kirche in Dießen. Alleiniger Herr über Burg und Dörfer Dießen, Dettlingen und Bittelbronn.

Nach dem Tod von Burkhard von Ehningen herrschten seine Söhne Hug Werner von Ehingen und danach Hans von Ehingen bis 1546 über Burg, Land und Leute. Da er ohne Kinder blieb, vermachte Hans von Ehingen alle seine Besitztümer an die 4 Söhne seiner Schwester Gertrud von Ehingen, die mit Veit von Wernau verheiratet war.

1557 traten 3 der Brüder ihren Anteil an ihren Bruder Hans Wilhelm von Wernau ab, der dann bis 1580 alleiniger Besitzer der Herrschaft Dießen war. Die Herren von Wernau hielten die Herrschaft Dießen fast 150 Jahre.

Der letzte Wernauer Besitzer Hans Georg von Wernau übergab bereits ein Jahr vor seinem Tode den Dießener Besitz an Johann Wilhelm Schenk von Staufenberg, einen der 5 Söhne seiner Schwester Anna Barbara von Wernau, welche mit Wolf Friedrich von Staufenberg verheiratet war.

Der neue Besitzer der Herrschaft, Johann Wilhelm Schenk von Staufenberg, weilte meistens außerhalb von seinem Schloss in Dießen. Aber bereits 1797 kam es zur Erbteilung der 5 Brüder und der Besitz über die Herrschaft Dießen ging an Johann Albrecht Schenk von Staufenberg über. Dieser verkaufte 1708 die freie Herrschaft und das Rittergut Dießen mit dem Schloss, Häusern, Stallungen, Mahl- und Sägemühlen, einem großen Haus auf dem Marktplatz in Horb mit Hoftstatt und Scheuer, ein Weinreben und Fischereirechte am Neckar, 785 Morgen Waldungen für 65540 Gulden an den Reichsfürst Placidus, Abt des fürstlichen Reichsstifts Muri aus der Schweiz.

Die Benediktiner Abtei Muri vereinte die Herrschaften Glatt, Dettingen und Dießen zur Herrschaft Glatt, um diese besser verwalten zu können. Der Statthalter saß in Glatt. In den Schlössern von Dettingen und Dießen saß Verwaltungspersonal.

Nach Beendigung des Deutsch-Französischen Krieges, unter dem auch das Schloss in Dießen teilzerstört wurde, hat sich das Fürstentum Hohenzollern - Sigmaringen 1801 die Herrschaft Glatt angeeignet.

1872 endete die Herrschaft des Fürstentum Hohenzollern - Sigmaringen.

Auf Grund der großen Schäden wurde 1812 das baufällige Schloss zum Abriss frei gegeben.

Um einen weiteren Verfall der Burgruine aufzuhalten kaufte 1889 Reichfreiherr Otto von Ow Hohendießen. Sein Enkel Sigurd Freiherr von Ow - Wachendorf übereignete 1965, auf Bitten des Bürgermeisters von Dießen, die Ruine Hohendießen an die selbstständige Gemeinde Dießen des Landkreises Hechingen.

Relief und Steinmetzzeichen am Eingang

Informationen an einer Tafel bei der Ruine

Das Relief oberhalb des Eingangs ist in sehr schlechtem Erhaltungszustand. Der Form nach ist der Rahmen gotisch, während das Bildnis mit dem Wappen derer von Ehingen und dem HI. Christophorus als Wappenhalter der Renaissance zugeordnet wird. Auch die Inschrift zeigt kein einheitliches Schriftbild.

„Junker Hans von Ehingen anno 1555“

Das Wappenrelief lässt darauf schließen, dass der Junker am Palas bauliche Maßnahmen durchgeführt hat. Für Verwirrung sorgt hier die Angabe des Jahres 1555, da der Junker Hans von Ehingen bereits im Jahre 1552 verstarb.

Das Wappenrelief, eine Arbeit von Steinmetz Hans Hiltbrandt (siehe Steimetzzeichen), der zu der Zeit um 1555 für die Herren von Ehingen in Dießen und Neuneck tätig war.

Steinmetz-Zeichen Das Steinmetzzeichen des Hans Hiltbrandt

Hans Hiltbrandt war ein Steinmetz aus Horb, der in Gültingen und Rottenburg, sowie im Raum Horb tätig war.

Grenzsteingarten an der Burgruine Hohendießen

Dieser Grenzsteingarten wurde im ehemaligen Kräuter- und Gewürzgarten der Burg Hohendießen vom Schwarzwaldverein Dießen e.V. in Zusammenarbeit mit der Flurneuordnungsstelle Freudenstadt/Calw und dem Förderverein zur Sanierung und Erhaltung der Burgruine Hohendießen errichtet.

Die Grenzsteine, als Zeugen der geschichtlichen Entwicklung von Dießen, sollen den Bürgern und der Nachwelt erhalten bleiben. Sie geben Zeugnis über die wechselnden Besitzern der Ortschaft und der angrenzenden Gemeinden. Nicht von allen Besitzern und Herrschern über Burg und Gemeinde sind Grenzsteine vorhanden. Teilweise wurden sie entfernt, oder durch Feld- und Waldarbeiten zerstört.

Horb-Dießen hat eine Gemarkungsfläche von 871 ha, davon ca. 525 ha Wald (220 ha Fürst v. Hohenzollern, 120 ha Privatwald und 85 ha Stadt Horb) und ist mit insgesamt 220 Grenzsteinen vermessen. Die Grenzsteine und Beispielsteine sind mit Erklärungen und Beschreibungen hier aufgebaut.

Der Palas

Die Grundlagen für die hier vorliegenden Informationen bilden verschiedene geschichtlichen Abhandlungen, unter anderem das Buch „Burgruinen am Neckarknie bei Horb“ von Franz Gessler, veröffentlicht durch den Kultur- und Museumsverein Horb a.N. 2006.

Der Palas oder das Schloss Hohendießen wurde von Ritter Burkhard von Ehingen und seiner Frau Barbara von Neuneck in den Jahren 1494 bis 1498 erbaut.

Der Palas/Schloss Hohendießen steht auf den Resten der ehemaligen Schildmauerburg aus der Stauferzeit (um 1300) auf dem Bergspitz oberhalb des Ortes Dießen.

Burkhard von Ehingen, Sohn des Rudolf von Ehingen hatte bereits 1476 das hohenbergische Lehen Bieringen gekauft. 1478 heiratete er Barbara von Neuneck, die Tochter des Hans von Neuneck. Bei der Heirat war Burkhard schon über 50 Jahre und Barbara erst 16 Jahre alt.

Beginnend ab 1481 kam Burkhard von Ehingen durch den Ankauf des gesamten Besitzes des Stefan von Ow zu Frundeck zu einer Hälfte an Dorf und Burg in Dießen samt Gericht und Vogtei. Zu Stefan von Ows Besitz gehörte auch der Teil seines Vetters Jacob von Ow, welcher kinderlos blieb.

Der Schwiegervater von Burkhard von Ehingen, Hans von Neuneck, hatte seit 1464 die andere Hälfte der Burg und des Dorfes Dießen zu Lehen. 1482 wurde dem Hans von Neuneck bewilligt, dass auch seine Töchter als Erben nachfolgen können. Zusammen mit seinem Schwiegervater ist es Burkhard von Ehingen gelungen am Oberen Neckar eine neue Herrschaft aufzubauen.

1491 trat Hans von Neuneck seinen Besitz an Burg und Dorf Dießen an seinen Schwiegersohn Burkhard ab und erlaubte ihm, das „Schloss Hohendießen“ zu bauen. Die nötigen Geldmittel für den Aufbau des kleinen Imperiums hatte er durch Erbschaft, geschickte Verkäufe und durch seine Verdienste als Richter des Schwäbischen Bundes und Statthalter in verschiedenen Städten, sowie von den Abgaben seiner Untertanen angehäuft.

Den Auftrag, den Palas zu errichten erhielt Hans Spryß von Zaberfeld, Steinmetz im Horber Raum, bekannt als Hans von Baden.

Dies konnte aus geschichtlichen Notizen und anhand von Steinmetzzeichen im Gesims der Fenster des Palas geschichtlich nachgewiesen werden. Der von Burkhard von Ehingen 1494-1498 neu errichtete stattliche Palas hatte laut Inventarverzeichnis aus dem 16. Jahrhundert in verschiedenen Ebenen Wohn- und Gebrauchszimmer, Lager , Versorgungs und Verwaltungsräume.

In der Eingangsebene befanden sich Vieh- und Lagerräume sowie die Unterkünfte der Bediensteten. Besonders erwähnt ist eine Kanone auf Rädern mit dem Ehinger Wappen und der Jahreszahl 1493. Wahrscheinlich war im ehemaligen Turm der alten Burganlage, am Eingang links, die Schlosskapelle.

Zur Burganlage gehörten der Gefängnisturm an der Nordost Ecke der Ringmauer, der das Burggefängnis beherbergte und den Palas zum Tal hin absicherte, die innere- und äußere Ringmauer und das Torhaus. Zur stärkeren Absicherung der stattlichen Burganlage mit ihren Zwingmauern und zur Ergänzung der Wehranlagen wurden unter den verschiedenen Eigentümern und Besitzern die Seitentürme an der Südseite im Eingangsbereich der Burg und am heutigen Parkplatz zur Verstärkung der Flanken angebaut. Von beiden Türmen sind nur noch die Grundmauern und die schrägen Seiteneingänge am Palas erhalten.

Mit der Einweihung der Schlosskapelle durch den Konstanzer Weihbischof Hugo von Hohenlandenhose am 24. Mai 1498 waren wohl alle Arbeiten am Palas abgeschlossen.

Die Burgkapelle gehörte zur Pfarrei Oberiflingen und war dem heiligen Georg geweiht.

Schildmauerburg

Die ältesten Teile des 1494 - 1498 erbauten Palas Burg Hohendießen sind die starke Schildmauer und die Grundmauern, auf denen der Palas steht. Diese Burgteile gehen auf eine Schildmauerburg aus der Stauferzeit um 1300 zurück. Zur Zeit der Fertigstellung der alten Schildmauerburg waren die Grafen von Sulz im Besitz von Dorf und dem alten Burgstall. Wahrscheinlich in der Zeit der Regentschaft von Graf Hermann III von Sulz (1264-1308).

Dießen, das Dorf, Grund und Boden sowie beide Burgen (Altdießen und Hohendießen) waren zu Lehen an den niederen Adel vergeben.

Siehe Stammtafel der Herren von Sulz und Übersicht der Besitzungen der Grafen von Sulz.

(Siehe auch Johann Otmar- Landadel, Kirchen und Bauern, Seite 49.)

Die mächtige Schildmauer hatte auf der Westseite der Burg eine Tiefe von 3,10 m und erstreckte sich fast 15 m in die Höhe. Anhand der noch sichtbaren Kragsteine lässt sich die Höhe leicht errechnen. Die bestehende Schildmauer wurde beim Bau des Palas mit eingebunden.

Nach Recherchen von Franz Gessler aus Horb hatte die Burg an der Ostseite einen Turm, welcher die Schildmauer noch um ca. 3 m überragte. Er diente zur Stärkung der Wehrhaftigkeit der Burg und zur Überwachung des Tales. Mit einer Wandstärke von 1,55 m und einem Innenraum von 5,40 m x 5,40 m. Das heißt, dass der Turm mit seinen 8,50 m Seitenlänge die Hälfte der Ostmauer einnahm.

Neben dem Turm, der vom Wachpersonal, dem Torwächter und dem Gesinde bewohnt wurde, waren das Wohnhaus der Besitzer, die Stallungen fur das Nutz- und Arbeitsvieh, die Lager und sonstige Arbeitsräume sowie auch diverse Nebengebäude in das Burgareal eingegliedert.

Dass ein sogenannter Burgfried vorhanden war, erkennt man an verschiedenen Hinweisen, welche die noch bestehenden Mauern preisgeben. Zunächst lässt es sich an der Wandstärke der Mauern um den bestehenden Versorgungsraum begründen, die eine Wandstärke von 1,55 m aufweisen.

Weiterhin an der Verschiebung der Mittelachse der Fenster an der Ostfront des Palas. Die alte Turmanlage ist auch auf den Plänen des mit der Restauration beauftragten Architekten Beuter aus Dettingen zu sehen.

Der Burgfried war ca. 18 m hoch. Ob er nur Zinnen oder ein Dach hatte, ist nicht nachweisbar. Die freie Darstellung der Schildmauerburg dient der Verdeutlichung vorhandener Fakten. Die Dießener Schildmauerburg wurde trotz ihrer Standfestigkeit mehrfach zerstört.

Das erste Mal nach den Schleglerkriegen 1395. Danach wurde die Schildmauerburg wieder aufgebaut, aber im Bayrisch/Pfälzischen Krieg 1460 erneut gestürmt und zerstört. Ob, und wie die Burg danach wiederhergestellt wurde, ist nicht bekannt.

Die Burg, das Dorf und die Rechte an Grund und Boden hatten bis ins 15. Jahrhundert durch Verkauf und erbschaftsbedingt wechselnde Besitzer und Teilbesitzer. Im Lehensrodel von 1308/10 des Grafen Berthold II von Sulz wurde die Burg zum ersten Mal erwähnt.

Mit der Stauferzeit tauchte in den geschichtlichen Dokumenten und Nachweisen das erste Mal der Dießener Ortsadel auf. Das Wappen der Dießener war ein schräg stehender Fisch auf silbernem Grund. Die erste Nennung 1299 war Friedrich Dictus der Theyser, auf ihn folgte der Edelknecht Volz von Dießen (1301) und Friedrich der Dießer (1309).

Die Herrschaft der Dießer setzte sich bis 1337/38 fort, die letzten bekannten Dießener Burgbesitzer waren Wolf der Dießer und sein Bruder Ulrich. Danach hatten die Hülwer, die Herren von Ow zu Weitingen und die Herren von Neuneck zu Dießen gesessen und Anteile an Burg, Dorf, Grund und Boden.

Zusammen mit seinem Schwiegervater Hans von Neuneck hat Burkhard von Ehingen durch den Ankauf und Erbschaft die aufgeteilten Besitztümer Dießen mit Dorf, Burg samt Gericht unter seiner Hand vereint. 1494 - 98 erfolgte auf den Resten der Schildmauerburg der Bau eines prächtigen Palas.

Geo-Koordinaten

Ruine Dießen (Hohendießen)

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